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Heft
ISSN
1438-9487
Editorial
Eine
Frage, bitte: Haben Sie noch Aufnahmen mit Werken Peppings? Unsere
Gesellschaft plant nämlich den Aufbau eines Schallarchivs. Neben den
SFB-Aufnahmen (die weiterhin für 8 Euro pro CD plus Versandkosten über
Anselm Eber bezogen werden können), werden derzeit auch Aufnahmen vom
Rias Berlin und des WDR recherchiert. Herr Eber nimmt auch Ihre Auskünfte
zu weiterem Tonmaterial gern entgegen.
In
der letzten Ausgabe des Mitteilungsblattes hatten wir Sie um
Einzugsermächtigung für die Jahresbeiträge ersucht. Viele Mitglieder
haben dieser Bitte um
„Arbeitserleichterung“ bereits entsprochen
– vielen Dank dafür! Diese Hilfe ermutigt uns, auch folgendes Anliegen
an Sie zu wiederholen: Zur Vorbereitung einer effektiven Mitgliederakquise
benötigen wir Ihre Namensvorschläge, die Sie bitte an Rainer Winkel
(Erikaweg 19, 32429 Minden) baldmöglichst übersenden wollen.
Die
nächste Jahreshauptversammlung unserer Gesellschaft findet am Sonntag,
den 14. September 2003 in Berlin statt (Einladung folgt). Freuen Sie sich
darauf: Zum 100. Geburtstag des langjährigen Leiters des Staats- und
Domchors und engen Pepping-Freundes Gottfried Grote wird das
Rahmenprogramm an diesem Tag darauf abgestellt sein, die
Künstlerfreundschaft zwischen Pepping und Grote zu beleuchten und zu
feiern.
Aus der
Korrespondenz zwischen Pepping und dem Schott-Verlag (II/III)
Ende
Oktober 1940 hatte Pepping seinen Verleger Ludwig Strecker mit der Idee zu
einem Ballett über das Grimmsche Märchen
„Der Fischer und sine Fru“
konfrontiert. Strecker antwortete postwendend, signalisierte
„großes
Interesse“ an dem Projekt und versprach, sich mit einem
Ballett-Experten zu beraten und sich dann wieder zu melden. Zwei Wochen
später aber schrieb Pepping erneut an Strecker, um nunmehr konzeptionelle
Details der projektierten Komposition vorzustellen.
Berlin-Spandau,
den 16. November 1940
Lieber Herr
Dr. Strecker!
Ich danke
Ihnen für Ihr Interesse für meine Ballettpläne und freue mich, dass Sie
sich die Sache überlegen und auch mit Ballett-Sachverständigen
besprechen wollen. Derweilen habe ich mir die Geschichte gleichfalls durch
den Kopf gehen lassen und sehe hier und da schon etwas klarer. Es sind
vorläufig nur vage Umrisse und vieles ist noch in Nebel gehüllt. Doch
liegt mir daran, Sie über den jetzigen Stand der Dinge zu unterrichten,
damit Sie wissen, wo es fehlt und wo Sie mit kundiger Hand als Jupiter der
Bühne einige Sonnenstrahlen gegen den Nebel schleudern sollten.
Es ist nötig
– wie bereits erkannt –[,] die Folge der Märchenbilder zu kürzen.
Insbesondere scheint es mir nicht ratsam, den Papst auf die Bühne zu
bringen. Dieser als Herrscher der Christenheit hat heute keine
unmittelbare Überzeugungskraft mehr, worauf es doch in einem Ballett ankäme.
Auch liesse sich wohl kaum die nötige Suite von Bischöfen und Kardinälen
in leibhaftige rhythmische Beschwingtheit bringen. Anderseits aber wäre
es schade, damit auf die fussfällige Devotion gekrönter Häupter zu
verzichten. Ein Ausweg wäre, die Scene im Kaiserpalast besonders üppig,
in märchenhafter Übersteigerung zu bringen, quasi orientalisch (aber nur
quasi, bloss nicht mit den bekannten Krummsäbeln und Odalisken!):
tempelartiger Palast mit himmelhohem Thron, unter dem sich Priester und
Ritter bewegen und Könige mit Kronen auf den Häuptern den Pantoffel der
thronenden Majestät küssen. Und wenn ich noch weitere, unwesentlichere
Bilder streiche, so bleibt die Folge: Kate – Gutshof – Schloss –
Palast.
2. Bild
(Gutshof) Scene vor dem Haus, Garten, Blumen, Sonne, Pastorale, ländliches
Treiben, neben dem bekannten Ehepaar Nachbarn, Volk, Kinder und ich weiss
nicht was. Schwierig ist jetzt wie immer die Motivierung des neuen
Wunsches der Frau, die natürlich stets bildhaft erfolgen müsste. Sie
liesse sich etwa dadurch erreichen, dass eine fürstliche Karosserie am
Hause vorbeifährt, Bücklinge des Volkes und natürlich auch des
Fischers, die Frau sieht solcherart das
„Mehr“ und der Sinn des sich
jetzt anschliessenden Duos Fischer und Frau wäre klar.
3. Bild
(Fischer und Butt): Hier ist es wichtig, dass die Scene ganz anders als im
ersten Bild ausschaut, damit der Witz, dass das letzte Bild haargenau mit
dem ersten übereinstimmt, nicht verpatzt wird.
4. Bild
(Schloss): Ich denke an ein festliches Mahl im fürstlichen Schloss, prächtige
Tafel, glänzende Schar von Gästen, viel Bediente, fressen und saufen.
Und jetzt: woher die neue Wunschmotivierung finden? Verdammt schwierig.
Etwa:
5. Bild:
Nacht, sehr üppiges Paradebett, in dem die beiden schlafen. Traum der
Gattin: Gestalten der späteren Palastscene erscheinen, vielleicht auch
eine Andeutung (bildlich und musikalisch) der späteren Scenerie. Die Frau
schreckt aus ihrem Traum auf, weckt ihren Mann, diesbezügliches Duo (Die
beiden tragen glücklicherweise ausgesprochen bühnenmögliche Nachtgewänder)
usw.
6. Bild: wie
3. Bild.
7. Bild
(Palast) Scenerie wie eingangs dargestellt. Aber wieder das Wunschproblem!
Die aufgehende Sonne des Märchens ist herrlich plastisch und man kann
kaum auf sie verzichten. Darf man annehmen, dass sich die Palastscene
nachts abspielt und sich bis zum Morgen hin ausdehnt, so funktioniert es:
Sobald das kaiserliche Ehepaar allein zurückbleibt (sie bleibt noch ein
wenig oben sitzen und er bewundert sie), könnte sich schliesslich ein (grosses)
Fenster im Hintergrund öffnen, durch das die aufgehende Sonne sichtbar
wird (Aber vielleicht kann man die Sache auch anders drehen).
Anschliessend sehr aufgeregtes Tanzduo.
8. Bild: wie
Bild 3.
9. Bild:
Scenerie wie zu Anfang. Und jetzt kommt die grösste Schwierigkeit: Wie
endet die Sache? Das mit der Schöckschen
„Zufriedenheit der Armut“
ist wenig glaubhaft. Die Frau wird nie zufrieden sein und der Mann war es
ja ohnehin immer. Die Götter rücken ganz sachlich die Dinge wieder
zurecht und nichts ist gewesen. Die Pointe kann, wie mir scheint, nur sein
die
„Heitere Blamage“. Zurück bleibt allenfalls (Anregung von
befreundeter Seite) die Erinnerung, die sich in einer letzten Variation
des Themas musikalisch ja sehr schön ausdrücken liesse und in der
schauspielerischen Darstellung natürlich bei den beiden verschieden
funktionieren würde. Es wäre denkbar (Anregung gleicher Quelle), dass
der Mann aus der prächtigen Vergangenheit einen geliebten Gegenstand zurückbehalten
hätte (da es ein Märchen ist), diesen jetzt hervorholt, liebevoll
betrachtet, worauf die Frau gemäss ihrer Art prompt reagiert, indem sie
vor Scham bis hinter die Ohren rot wird, wütend den Gegenstand an sich
reisst, mit ihrer Schürze umwickelt und ins Meer wirft, worauf letzteres
heiter lächelnd (denn jetzt ist alles in der Reihe und der vorige Zustand
ohne Rest wiederhergestellt) und möglicherweise mit entsprechend sanftem
Chorklang die Angelegenheit beendet. Aber diese Möglichkeit befriedigt
mich noch nicht hundertprozentig. Da ein forte-Abschluss schlechterdings
nicht möglich ist, müsste das piano-Ende wenigstens einen kleinen
witzigen Schnörkel aufweisen, ähnlich dem Aktschluss
„Meistersinger“
nach der Prügelscene oder dem entsprechenden Aktschluss
“Rosenkavalier“. Natürlich anders als dort, aber mit gleicher
Wirkung. Ich weiss es nicht, Sie werden es wissen.
Damit habe
ich Ihnen und mir notiert, was ich notieren wollte und grüsse Sie
herzlichst
Ihr
Ernst
Pepping
Kurze
Zusammenfassung der Mittel
Musik: ich
weiss nicht, da ganz von der endgültigen Form der Handlung abhängig.
Wahrscheinlich eine sehr freie Variationenform a la Pepping. Steigerung
bis zum vorletzten Bild, vielleicht auch in Richtung der
Orchesterbesetzung. Bunt und tänzerisch, denn ich liebe sehr das Märchen.
Butt: Chor (nicht zu klein besetzt)
Bild: 6
verschiedene Bilder (denn 1 und 9 sowie 3, 6 und 8 sind identisch),
unmittelbarer Wechsel von Bild zu Bild, per Drehbühne wohl kaum Problem.
Bild muss Humor, Volkstümlichkeit, modern einfache Linie haben.
Tanz: 3
tutti-Scenen mit dem gesamten Ballett (Bild 2, 4, und 7), 5 Tanzduos
Fischer und Frau (1, 2, 5, 7, 9), 5 Solis (die Buttscenen Bild 1, 1, 3, 6,
8). Der Butt erscheint natürlich nur andeutungsweise. Aufführungsdauer:
unter 1 1/2 Stunden gehts schwerlich. Wieviel darf diese Zeitdauer
überschritten werden, ohne dass man damit übliche und praktische Grenzen
überschreitet? Kurz notiert:
CD-Neuerscheinungen:
Nach dem Konzertmitschnitt mit ausgewählten Liedern des
Paul-Gerhardt-Liederbuches in der Interpretation von Dörthe Maria
Sandmann (Sopran) und Cornelia Maaz (Klavier) liegt nun eine weitere
empfehlenswerte Teileinspielung des Zyklus vor, die das Dresdner Label
„Horos“ mit Gertrud Günther (Sopran) und Dietlind Baumgarten
(Klavier) produziert hat. Bestelladresse: www.horos.de,
Nr. HO 11202, Preis: 17,-- Euro (plus Versand).
Matthias
Jung und das Sächsische Vokalensemble haben den Pepping-Zyklus Heut
und ewig bei
„Tacet“ eingespielt. Die CD erscheint in
Kürze. Nähere Informationen unter:
www.tacet.de.
Klaus
Knall und das Collegium vocale Zürich haben im März und April 2003 in
Basel, Bern, Tübingen und Zürich Peppings Passionsbericht des
Matthäus aufgeführt.
Impressum: Mitteilungen der
Ernst-Pepping-Gesellschaft (ISSN 1438-9487),
im Auftrag der Ernst-Pepping-Gesellschaft e.
V. hrsg. von Sven Hiemke,
Hermann-Kauffmann-Str. 37,
22397 Hamburg, Tel.: 040/690 64 02, Mail: sven.hiemke@t-online.de.
Erscheinungsweise: zweimal jährlich.
Vertrieb: kostenlos für die Mitglieder der Gesellschaft. |