Heft 11, Juni 2004

ISSN 1438-9487

Neue Post von Hindemith

 

Kontakte zwischen beiden blieben sporadisch, und die erhaltenen Dokumente bieten nur wenig Möglichkeiten, über ihre Beziehung Aussagekräftiges zu Protokoll zu geben, konstatierte Susanne Schaal-Gotthardt auf dem Berliner Pepping-Symposium 2001 (vgl. ihren Beitrag in: Pepping-Studien 3), machte allerdings auf ein undatiertes Schreiben aufmerksam, das Hindemith wohl im August oder September 1928 an Pepping verfasst hatte und das bislang als der einzig erhaltene Brief aus der Korrespondenz dieser beiden Komponisten galt. Hindemith äußert sich hier über Peppings erstes Streichquartett; sein abweisendes Urteil verbindet sich mit einer freundlichen Ablehnung einer Uraufführung des Werkes durch das Amar-Quartett, die sich Pepping offenbar gewünscht hatte.

Inzwischen sind zwei weitere Dokumente aufgetaucht, die sich mit den beiden Komponisten verbinden: ein Schreiben vom 9. Mai 1957, mit dem sich Pepping bei Hindemith herzlich für dessen finanzielle Unterstützung für zwei begabte, aber mittellose Studierende der Berliner Kirchenmusikschule bedankt, und eine Kostenaufstellung Hindemiths für das Musikfest, das 1927 in Baden-Baden stattfand. Auf diesem Zettel notierte sich Hindemith links unten die drei Schwerpunkte dieser Veranstaltung – Kammermusik, Filmmusik und Oper – und darunter die Namen von Komponisten, die vermutlich um Beiträge für das Fest gebeten werden sollten. Pepping erscheint in allen drei Sparten – offenbar hielt Hindemith (der kurz zuvor selbst seine Oper Cardillac veröffentlicht hatte) Pepping zu dieser Zeit für einen potentiellen Opernkomponisten.

Die Archivalien lassen darauf schließen, dass Pepping und Hindemith noch weitere Schreiben miteinander austauschten. Hoffentlich sind sie nicht alle verbrannt, sondern werden irgendwann gefunden (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Hindemith-Instituts Frankfurt am Main und des Stadtarchivs Baden-Baden; für die Vermittlung der Archivalien einen herzlichen Dank an Anselm Eber, Michael Heinemann und Dr. Luitgard Schader).

Pepping-Hindemith-Korrespondenz. Übertragung

 

[Ende Juli – Ende September 1928]

Lieber Herr Pepping, es tut mir leid, Sie so lange ohne Nachricht gelassen zu haben. Ich war einige Zeit in Russland und auch sonst immerzu auf Reisen, so dass ich Ihre Briefe sehr spät erst bekam. Ihre Noten habe ich sofort von Frankfurt schicken lassen und sie gehen Ihnen hiermit zu. Wie Sie wohl erfahren haben werden, hat es bei uns im Quartett einige Änderungen gegeben – mein Bruder ist nicht mehr bei uns; wir sind ausserdem fast alle noch in anderweitigen Engagements tätig und wohnen darum auch in verschiedenen Städten – so dass uns die Quartettarbeit außerordentlich erschwert ist. Es ist uns nun gar nicht möglich, ausser dem laufenden Konzertrepertoire Neues einzustudieren. Wir hatten ursprünglich vor, in dieser Saison Ihr Quartett herauszubringen, aber es ist nicht zu machen. Wenn ich ganz ehrlich sein darf, möchte ich Ihnen nicht verhehlen, dass ich von dem Stück, nachdem wir es öfters durchgespielt hatten, gelinde enttäuscht war und ich glaube, nicht durch meine Schuld. Nehmen Sie mir meine Offenheit nicht übel, aber vielleicht denken Sie bei genauer Durchsicht des Stückes auch ähnlich. Das Kontrabasskonzert ist hier auch beigefügt. Da wir keinen Bassisten zur Verfügung haben, war es uns nicht möglich, das Stück in Baden aufzuführen.

Seien Sie herzlich gegrüsst von Ihrem

Paul Hindemith

 

*

 

den 9. 5. 57

Lieber Herr Hindemith!

Nehmen Sie herzlichsten Dank für den Scheck! Der Betrag ist an zwei Studierende der Berliner Kirchenmusikschule weitergegeben worden: an den 20jährigen Martin Beutel und den 22jährigen Rüdiger Füg, beide aus sehr engen wirtschaftlichen Verhältnissen der Ostzone stammen[d], beide überdurchschnittlich begabt, frische, entwicklungsfähige Jungen, wie sie auch Ihnen gefallen würden. Den Namen des Spenders habe ich zwar wunschgemäß nicht genannt, aber ich befürchte, ihn so deutlich umschrieben zu haben, daß er kein Geheimnis sein kann. Und das darf er auch nicht sein. Denn es ist doch klar, daß dieser Name für die beiden jungen Musiker mindestens so viel Förderung und Ermunterung bedeutet wie das Geld, das von ihm kommt.

Bitte empfehlen Sie mich Ihrer Gattin und lassen Sie sich alles Gute wünschen von Ihrem Ihnen sehr ergebenen

Ernst Pepping

Termin in Hamburg

 

Schon notiert? Die nächste Jahreshauptversammlung unserer Gesellschaft findet am 12. September 2004 in Hamburg statt. Eine gesonderte Einladung geht Ihnen demnächst noch zu. Und im Anschluss daran, um 18.00 Uhr, werden Michael Gellermann an der Orgel der Erlöserkirche Farmsen und das Hamburger Vokalensemble unter der Leitung von Klaus Vetter Werke Peppings musizieren. Freuen Sie sich darauf!

Ausgezeichnet

 

Die Einspielung des Pepping-Zyklus Heut und ewig, die Matthias Jung und das Sächsische Vocalensemble bei dem Label Tacet veröffentlicht hat, steht auf der (vierteljährlich erscheinenden) Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik. Herzlichen Glückwunsch!

Liturgisch Geburtstag feiern

 

Peppings Geburtstag am 12. September fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag – eine gute Gelegenheit, den Komponisten mit Aufführungen seiner Kirchenmusik im Gottesdienst zu würdigen. Wir laden Sie deshalb herzlich dazu ein, sich mit Aufführungen seiner geistlichen Chor- und/oder Orgelwerke an einer überregionalen Geburtstagsfeier zu beteiligen. Anregungen hierzu gibt das Werkverzeichnis auf unserer Homepage. Ihre musikalischen Initiativen für Ernst Pepping veröffentlichen wir gerne in unserer Rubrik Termine; bitte teilen Sie uns doch gegebenenfalls die an diesem Tag aufgeführten Stücke mit – herzlichen Dank!

Kurz notiert ...

Als neue Mitglieder unserer Gesellschaft begrüßen wir Frau Hildegard Haas aus Kreuztal und Herrn Manuel Doormann aus Minden. Herzlich willkommen!

Am Sonntag, den 14. März 2004, brachte die Andreaskantorei Obertürkheim unter der Leitung von Ruth Kurz in der Andreaskirche Peppings Motette Ein jegliches hat seine Zeit zur Aufführung (Quelle: Stuttgarter Wochenblatt, 11. März 2004).

Am 14. September 2003 stellte sich in der Evangelischen Kirche zu Bad Lippspringe der Ernst Pepping-Kreis vor. Das Ensemble – ein ökumenischer Kreis von Sängerinnen und Sängern, der sich vor etwa einem Jahr um die beiden Kirchenmusiker Ulrich Schneider, Kantor an der Evangelischen Kirche und Leiter der Kantorei in Bad Lippspringe, und Michael Kleine, Organist der Katholischen Kirchengemeinde in Elsen, gebildet hat – besteht aus zwölf weiteren Organisten und Chorleitern sowie erfahrenen Ensemble-Sängern aus ganz Ostwestfalen-Lippe. Hauptwerk in dem ersten Konzert des Ernst-Pepping-Kreises war der Zyklus Das Jahr. Zu dem Konzert hatte sich eine erfreulich große Zahl von Zuhörern eingefunden, die den Sängern herzlich dankte. Auch in der lokalen Presse fand das Konzert eine gute Resonanz.

Am 19. Mai 2004 konnte das Buch Staats- und Domchor Berlin – ein Lese- und Bilderbuch von Peter Hahn präsentiert werden, das Fakten, Anekdoten und Bilder aus der über 600jährigen Geschichte des Chores vereinigt. Auf einer beigelegten CD sind außerdem Archivaufnahmen u. a. aus der Zeit von Hugo Rüdel und Gottfried Grote zu hören. Wir freuen uns mit dem Staats- und Domchor über die gelungene Veröffentlichung. Näheres unter: http://www.staats-und-domchor.de.

 


Impressum: Mitteilungen der Ernst-Pepping-Gesellschaft (ISSN 1438-9487),

im Auftrag der Ernst-Pepping-Gesellschaft e. V. hrsg. von Sven Hiemke, Hermann-Kauffmann-Str. 37,

22397 Hamburg, Tel.: 040/690 64 02, Mail: sven.hiemke@t-online.de.

Erscheinungsweise: zweimal jährlich. Vertrieb: kostenlos für die Mitglieder der Gesellschaft.